Über mich - eine kleine musikalische Lebensgeschichte

...nachdem ich bis dahin nicht einmal gewusst hatte, dass es "Volkstanz" als musikalische Kategorie gibt, obwohl ich eine ziemlich umfangreiche Vergangenheit auf diesem Gebiet hinter mir hatte, lud mich ein Kommilitone ein, für seinen Volkstanzkreis auf dem Übungsabend Musik zu machen. Für "Insider". Der Kommilitone war Volkhard Jähnert vom Tanzkreis Berlin-Reinickendorf.

Diese "Lehrzeit" dauerte leider nur knapp drei Jahre, dann zog ich aus beruflichen Gründen nach Hamburg. Die Stadt hatte, ähnlich wie Berlin, damals ein sehr intensives Volkstanzleben, aber auch noch reichlich Live-Musikanten, und die auch noch von der guten Sorte. So war für mich vorerst kein Bedarf vorhanden.

Das änderte sich erst, als gegen Ende der 1980er Jahre der letzte Musiklehrer meine Schule verlassen musste. Da sollte ich dann einspringen. Ich erinnerte mich an meine Jahre in Berlin und baute die Möglichkeiten, die das Tanzen bot, in meinen Unterricht ein. Hilfe bekam ich von einer freundlichen Tänzerin vom Ring für Heimattanz und damit auch wieder einen Fuß in die Tür zum Volkstanz. Denn inzwischen standen die Musikanten von einst aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung.

Ich frischte ab 1991 meine alten Kenntnisse – von denen überraschenderweise kaum etwas abhanden gekommen war – im Tanzkreis Ellerbek bei Hamburg auf und hatte nach meiner Pensionierung 1994 überhaupt keine Probleme mit zu viel Freizeit; ich bemerkte nicht einmal, dass ich mich im "Ruhestand" befinden sollte! "Handgemachte Musik" und wirkliche Volksmusik waren nicht mehr "in", d. h. es gab kaum noch Musikanten für die Volkstanzkreise.

Neben dem Musizieren hatte ich 1958 eine andere Seite in mir entdeckt: Ich konnte "Musik schreiben". Das "Große Triolett" (Tanzform Volkhard Jähnert) entstand und scheint sich bis heute einen guten Platz und Ruf unter den Volkstänzern gesichert zu haben. So entstanden in meinem "Unruhestand" bis jetzt über 600 Melodien, nicht alles Volkstänze, auch reichlich "offene Tanzmusik", die als Rheinländer, Walzer, Polka oder Polonaise zwar zum Volkstanz gehörten, aber ohne festgelegte Tanzform lediglich zur Auflockerung auf Tanzfesten gedacht sind. Daneben entstanden auch "richtige" größere Walzer, Polkas, Akkordeon-Soli und auch Lied-Vertonungen. Von diesen Musiken sind bisher etwa 200 mit Tanzformen den Tänzern angeboten worden (u. a. Großes Triolett, Orient-Express, Kieler Sprotten, Großes Gerenne), etwa 40 befinden sich in der Erprobung.

Von diesen Tänzen habe ich auch zu einer ganzen Reihe selbst Tanzformen gefunden und aufgeschrieben. Sie sind bis jetzt in drei Sets (CD, Notenheft, Tanzbeschreibungen) unter den Titeln "Qual der Wahl", "Qual der Wahl 2" und "Qual der Wahl 3" veröffentlicht (z. B. Rehlinger Polka, Gemischtes Doppel). Diese Tänze habe ich auf über 50 Lehrgängen zwischen Heilbronn und Greifswald unterrichtet.